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An der kristallklaren Soca: Wir erfinden die Fischermode neu!

  • christophmahdalik
  • 5. Sept. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 8. Sept. 2025

Warum man im Hochsommer beim Fliegenfischen am besten nichts anhat, warum Slowenien unterschiedlich ist und warum alle Fische gleich groß sind, erzählt euch diese Story.


Gut gelaunt an der Soca: Ich, Christoph, und Max und eine der immer gleichen Regenbogenforellen
Gut gelaunt an der Soca: Ich, Christoph, und Max und eine der immer gleichen Regenbogenforellen

Lasst mich euch einen kurzen Reisebericht geben, mein Bruder Max & ich waren sommerlich fischend unterwegs. Ein unerfreulicher Anlass, der Tod eines Fischerfreundes, führte uns zunächst über die Salza nach Klagenfurt. An jenem Tag präsentierte sich Gusswerk als heißer Ort. Ich, Christoph, im Watgewand, kämpfte gegen

32 Grad, die im (offensichtlich zu günstig gekauftem) Plastikteil garantiert mit plus 10 zu rechnen sind.

Schwitzen an der Salza bei Gusswerk
Schwitzen an der Salza bei Gusswerk

Mein gescheiter Bruder geht einfach mit kurzer Hose in den Fischerstiefeln und nimmt den Wassereintritt in Kauf. Ich watemit meiner tragbaren Sauna ins Wasser - und augenblicklich sind die Socken nass, trotz Watgewand und Watschuhen. Säuerlich sehe ich meinen Bruder neben mir, Fische fangend und kurzhosig, ich selbst, das Michelinmännchen, verhänge einstweilen mehrere Köder im Gebüsch.

Kurzum, Max hat sich wohlgefühlt, ich selbst fahre mit textilen Gedankenstürmen im Kopf Richtung Klagenfurt, im Rückraum trocknen Wathose und Watschuhe ... nicht. Zumindest ein Fischerl hat sich bei mir an der Salza erbarmt und einen Verzweiflungsköder genommen, der aussah, als ob Harald Glööckler ihn designt hätte.


Fakir in Bohinj, bringt mich weg von diesem Ort...

Der Weg von Klagenfurt, wo wir uns von Tommy, unserem Fischerfreund, verabschiedeten, nach Slowenien führt über den Loiblpass, der einen Vorgeschmack auf die tausenden Kurven in den slowenischen Alpen und Voralpen bietet.

Fischerkumpel Thommy verabschiedeten wir in Klagenfurt, er begleitet uns in Gedanken auf dem Fischertrip
Fischerkumpel Thommy verabschiedeten wir in Klagenfurt, er begleitet uns in Gedanken auf dem Fischertrip

Ich hatte diese Reise mit Google Maps und ganz viel Fantasie vorbereitet, die Sava Bohijnka war das erste Ziel, ein Fluss mit viel Pathos, weil der legendäre "Schwoaze", Helmut Herbert (siehe unsere Hall of Fame und die Geschichte vom Weihnachtshuchen) dort auch gefischt haben soll. Ich sah Max und mich in unseren Autos am wilden Bohijner See übernachtend, dort in der Kühle des Vorgebirges am See einen Roten trinken, eventuell mit neuen Bekanntschaften über Milan Kunderas Werke diskutierend.

Jeder Parkplatz muss hier Geld verdienen - willkommen im Flusstal der Sava...

Die Wahrheit sah anders aus, ganz Slowenien war im Flusstal der Sava, dazu eine stattliche Menge Deutsche, Österreicher, Italiener, Tschechen. Stau durch Bled, am Bohijner See kein zeltfreier Baum, Autos satt und das alles bei 30 Grad im Schatten. Stehen bleiben? - sehr schwer. Jeder Parkplatz muss Geld verdienen (Achtung, in Slowenien die gängige Parkapp Easypark laden!) - ein deutscher Fischerkollege zahlt 40 Euro auf einem Feldparkplatz, er hatte seine Lizenz nicht im Volant liegen.

Die Sava in diesem Abschnitt ist berühmt, aber kein "Muss" auf der Bucketlist - lediglich wenn Du ungeahnte Mengen an Kajakern sehen willst.

Sie kommen in Zügen von 20 Booten und machen das Fischen für 10 Minuten zunichte - leider oft mehrmals pro Stunde.

Die Regenbogenforellen sind stark besetzt, haben alle einen Kilo, eine flache Schnauze und kleine Flossen, kurzum, Mutanten ohne Unterschied, welche für die Tageskatze um 55.- Lizenzkosten pro Tag als Unterhaltungsbeute dienen.

Stadtforelle und Regenbogenforelle an der Sava Bohijnka.


Als noch ein tschechischer Familienvater seinen Söhnen auf der Fliegenstrecke das Schwarzfischen mit dem Blinker lehrt, reißt uns die Geduld. Ich sage dem unverschämten Fischdieb mit dem 80.000-Euro-Bus im Wiener "Haudrauf-Englisch" meine Meinung, wir beschließen, diesen Teil Sloweniens nie mehr im Sommer zu besuchen, und wenn, dann die Sava Radovlijca. Merke: Zu viele Urlauber ärgern den Fischer und kosten wertvolle Stunden an Einsamkeit.


Die Fischermode zum Tage: Wathose ade, ich steige so in meine Fischerschuhe, wie es auch mein Bruder tut. Leider ich ohne Badehose, also tauche ich meine kurzen Jeans bald in der Sava unter, denn ein Fluss ist, wie ihr wisst, oft tiefer als er aussieht. Noch schlimmer: Meine Schraubstollen in den Gummisohlen drücken wenig freundlich in die Sohlen, ohne die Neoprensocken der Wathose ist der Halt dürftig. Zum Fang: Maxi fängt, ich nicht, aber ich bin auch mit der Rute aus Frust so gut wie nie im Wasser.


15 Kilometer Luftlinie weiter, 90 Minuten und 400 Kurven mit dem Auto: Endlich super!

Bohijn, so erzählt mir ein Slowene, gehörte zur Kirche von Kobarid, das quasi "über dem nächsten Berg liegt". Das bedeutet aber mit dem Auto, mindestens zwei Kuppen zu umschiffen und 50 Kilometer Straße zurückzulegen - und das ist gut so. Slowenien ist gescheit genug, nicht alle Orte mit doppelspurigen Schnellstraßen zu verbinden, es zwingt den Fischer zum Kennenlernen der schönen Natur und lässt die Landstraßen eben Landstraßen bleiben. So landen wir nach dem Aufwachen um 7 Uhr morgens in Klagenfurt am Parkplatz des Strandbades Maria Loretto, wo wir unsere erste Autonacht verbrachten, endlich so, wie wir es gehofft haben:

 

Oberhalb der Baca (im Socavalley bei Most na Soci links ab) liegt ein kleiner Durchreisecampingplatz am Bach Koritnica (Achtung, ein zweiter Bach dieses Namens liegt auch am Prederpass und gehört zur selben Tageskarte mit rund 120 Flusskilometern) wie ein kleines Paradies:

Die einzige Gastro in einem Umkreis von guten 10 bis 15 kurvigen Kilometern ist eben die des Campingplatzes, so ist man auch Tisch an Tisch mit den Menschen aus der nächsten Umgebung, von dort kommen auch die gute gelaunten Kellnerinnen und die hilfsbereiten jungen Männer, die den Betrieb schupfen: "Where is our place?" - "Anywhere you find one" - und wir finden zwei schöne Plätze mit Aussicht für unsere Autos, denen es sicher auch gefallen hat, weil ihre Besitzer immerhin vier Nächte in ihnen verbrachten. Das Bier um 2Euro 90, der 15 Grad kalte Badeteich und rundum entspannte Menschen ohne Attitüde lassen uns mit Zuversicht in die nächsten Fischertage an der Soca, Baca, Idrijca oder der Tolminka schauen.


Stylingvorschlag: Gummistiefel mit Badehose.

Es ist heiß und ich weiß bereits, was alles nicht funktioniert und ich nähere mich ein Stück mehr der bequemen Sommerfischermode. Mit der Badehose beim Fischen einzutauchen ist kein Problem, eher das Gegenteil. Nachteil: Mit meinen Fußballerwaden stecke ich schwer in den Stiefeln, das Ausziehen mit Fersensporn ist ein Augenblick, vor dem man Respekt hat. Das Fischen an der Baca ist einfach toll, verschiedenartige, schöne Abschnitte, gut besetzt, das Soca Valley ist halt auch ein beliebtes Fischerziel, aber die Besatzregenbogenforellen sind dort schöner, sie sind alle um die 1,5 Kilo. Leider ist es halt so: Die Flüsse und Bäche mit ausreichend guten autochtonen Beständen gibt es nur mehr in der Vergangenheit oder eben an unbekannten Gewässern, meist Bächen, die keine prominenten Fischerei Hot Spots sind.

Ein herrliches, kühles Teilstück der Baca mit kurzer Jean und langer Schnur.
Ein herrliches, kühles Teilstück der Baca mit kurzer Jean und langer Schnur.

Wir sind auch mehrmals nackt unterwegs, nämlich dann, wenn wir die Fische gleich essen. In den Flüssen und Bächen des "Tolmin Reviers" mit Soca, Baca, Idrijca & Co herrscht oft Einsamkeit. Im Verbund mit der Hitze und dem Vorhandensein von sauberem Wasser ist das Baden beim Fischen ein Vergnügen. Umso mehr, wenn man die Fische gleich am Ufer auf der Schotterbank isst. Mehr als Alufolie und ein Feuerzeug braucht es nicht. Zwei Bier aus dem Minimarket schaden auch nicht.


Und endlich, die Fischermode für heiße Sommertage:

Wenn man ohnehin Teil des Wassers wird und nass werden gesucht statt vermieden wird, hier mein Favorit: Einfach mit Sportschuhen und Badehose in den Fluss. Beides trocknet in Windeseile, wenn keine großen Rocks im Wasser sind, wirst Du dir auch nicht die Knöchel verletzen. Ein unheimliches Gefühl der Leichtigkeit und Wendigkeit belohnt dich, das wirkte sich bei mir auch in der Fangstatistik an normierten Regenbogenforellen aus. Gleich, um dem Soca Valley nichts Schlechtes nachzusagen: Natürlich findet man dort auch noch autochtone Bachforellen oder Marmoratas, aber das Bachklettern bei 30 Grad ist sicher kein Vergnügen, da wird die schönste Natur durch die Anstrengung getrübt.


Kleine Paradiese, große Gefühle

Zum Schluss, ein Resümee: Slowenien ist sehr schön, umso schöner, wenn man dort, wie wir mit dem kleinen Campingplatz, einen Ort findet, der einen ruhe technisch an den Boden heftet. Schöne Ort haben oft Namen, die man noch nie gehört hat und auch schwer aussprechen kann. Bier unter 5 Euro gibt es noch. Forellen sind alle einen oder 1,5 Kilo schwer. Mein Bruder ist der bessere Fischer, gut so, dann gibt es immer zum Essen an Fluss. Wenn ihr keine Brüder oder Schwestern habt, sucht euch welche. Thommy konnte nicht mehr dabei sein, er hätte es geliebt.  Schlaft öfters im Auto. Petri heil.


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