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Neulich an der Pielach: Ist der Kopf nicht frei, legt man sich selbst ein Ei!

  • mmahdalik
  • 29. Aug. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Als Fliegenfischer kennt man das bestimmt: Im Kopf spuken der Job oder private Themen herum und man wünscht sich nichts sehnlicher, als die Rute aufzubauen, die Spule anzubringen und die Trockene aufs Wasser zu servieren. Ist es dann wirklich so weit, kommt oft alles anders als in Gedanken ausgemalt. Man vergisst eine Öse an der Angel, kommt erst drauf, wenn die Fliege schon angeknüpft ist und kann sich gleich zwei, drei Vorfächer herrichten, weil man das erste garantiert um einen Ast wickeln wird. Wie neulich an der Pielach - aber, versprochen: Es gab ein Happy End.

Die wunderschöne Bachforelle bescherte mir ein Happy End!
Die wunderschöne Bachforelle bescherte mir ein Happy End!

Von meinem Büro an die Pielach fahre ich in etwa 90 Minuten. Umso weiter der Countdown bis zur Ankunft fortschreitet, umso mehr wächst die Vorfreude - und, ja, auch die Ungeduld.


Längst hab ich in Gedanken die Rute, die Spule, die Vorfachdicke und die ersten Fliegen oder Nymphen ausgewählt. Die Parkbucht am Fluss hab ich auch schon manifestiert, ebenso die an der Pielach vorgeschriebenen Kniestiefel - aufgrund der Temperaturen mit lässiger kurzer Hose kombiniert und die Fischerweste schwungvoll übergeworfen.

In Wahrheit schlängele ich mich aber noch auf der Autobahn durch einer der vielen Spätsommer-Baustellen, trage Sakko und harte Schuhe und fülle nur - streng verboten - tattrig die am Beifahrersitz liegende Tageskarte aus. Zumindest das kann ich erledigen.

Ich wünsche mir Fische in allen Größen. Bitte, nur keine Besatzfische wie in Slowenien!

Meine Gedanken wandern, während ich den langsamen Skoda direkt vor mir im Geiste anschiebe. Ja, ich habs eilig, ich brauch das jetzt nämlich!

Ich erinnere mich an meinen letzten Fischausflug. Noch gar nicht lange her: Mit meinem Bruder Christoph bin ich Slowenien gewesen, an Soca, Idrijca und Baca. Und ich hoffe inbrünstig, dass mich an der Pielach nicht noch mehr Besatzfische erwarten. Ich wünsche mir Fische in allen Größen, mit natürlichen Flossen und und und...


Wie ein Profi gehe ich den Schritte-Plan durch

Gelandet! Die Parkbucht ist zwar nicht frei gewesen, aber was solls, ich hab mich ins Gras gestellt, wir schon keiner schimpfen.

Wie ein Sport-Profi gehe ich nun meinen Schritte-Plan durch, um in Windeseile im Wasser zu stehen: Die Kofferraum-Klappe öffne ich noch vom Fahrersitz aus. Aus dem Sakko kämpfe ich mich auf dem Weg zum Kofferraum. Dort angekommen ist bereits ein Schuh abgestreift und ich bin in Rekordzeit umgezogen. Es läuft wie am Schnürchen!


Auf den ersten Griff habe ich Rolle und Angel zur Hand und fädele bereits die Schnur durch die Ösen. Der gekonnte Griff an meine rechte Brusttasche in der Fliegenweste - die Köderbox ist zur Hand und die erste Fliege wird angebunden. Der Knoten sitzt beim ersten Versuch. Perfekt!

Im kurzen Moment der Zufriedenheit fällt mir die Fliege aus der Hand und ist verschwunden.

Da fällt mir ein, dass ich die Stiefel noch gar nicht angezogen habe. Ich durchsuche den Kofferraum, schnapp sie mir und schlüpfe ungeschickt hinein, während ich auf meine Angel schiele. Mist! Eine Öse hab ich übersehen, die Schnur flattert an dieser Stelle verdächtig.

Okay, es ist bislang alles ideal gelaufen, also binde ich nochmal.

Ich löse die Fliege wieder von der Spitze und fädele abermals Schwimmschnur und Vorfach durch die Ösen. Diesmal hab ich alle getroffen, aber in dem kurzen Moment der Zufriedenheit rutscht mir die Fliege aus der Hand und landet im buschigen Gras.

Wir erinnern uns: Die Parkbucht ist ja nicht frei gewesen.


Die Pielach ist niedrig, aber nicht niedrig genug Ich durchsuche das Gras minutiös, finde nichts, greife immer fester und plötzlich hab ich sie! Allerdings in meinem Zeigefinger stecken. Die ersten Blutstropfen fließen...


Weiter gehts! Endlich hab ich ins Wasser geschafft, die Pielach ist heute niedrig und ich traue mich, sie mit den Kniestiefeln zu durchwaten.

Gedanken von der Arbeit spuken durch meinen Kopf, ich rutsche aus und habe in beiden Stiefeln das Wasser bis zum Anschlag stehen.

Egal: An der Flussbank angekommen, mach ich meine ersten Würfe. Besser gesagt: Meinen ersten Wurf - und wickle mein Vorfach dabei sofort in den Baum hinter mir. Also zurück zum Start: Alles neu binden und mir wird beim Griff auf meine linke Brusttasche schlagartig klar, dass die Vorfächer nicht an der gewohnten Stelle, sondern säuberlich einsortiert im Angelzeug im Kofferraum schlummern.

Ich trete mit hochrotem Kopf die Heimfahrt an - zumindest in Gedanken...

Fluchend stapfe ich also wieder durch den Fluss zurück, schöpfe erneut Wasser und manifestiere in Gedanken bereits, wie ich die Angel zerbreche, ins Gebüsch schmeiße und mit hochrotem Kopf die Heimfahrt antrete.

Neulich an der Pielach. Die Entspannung trat erst am Ende ein...
Neulich an der Pielach. Die Entspannung trat erst am Ende ein...

So weit ist es dann natürlich nicht gekommen und ich kürze die Geschichte an dieser Stelle nun etwas ab: Ist der Kopf nicht frei, legt man sich ständig selbst ein Ei!

Ungeduld und Zorn sind schlechte Wegbegleiter am Fluss und man muss sie im Auto sitzen lassen. Nur gelingt das eben nicht immer.

Die Sorgen werden von der Pielach davon getragen

Mir ist es diesmal an der Pielach erst in der letzten halben Stunde geglückt.

Ein tiefes Durchatmen, eine schöne Reflexion im Wasser, eine laue Brise und der Köder, der in der Strömung endlich so wandert, wie man sich das vorstellt - das reicht dann plötzlich, um die Seele baumeln und die Sorgen von der Pielach davontragen zu lassen.


Eine Bachforelle wie im Traum Und dann beißt sie plötzlich. Die wunderschöne Bachforelle. Definitiv kein Besatzfisch! Große Flossen, fantastische Zeichnung und ein guter Drill inklusive abhaken ohne den Fisch auch nur berühren zu müssen. Ja, so hatte ich mir das ausgemalt. Zufrieden montiere ich die Angel noch im seichten Wasser ab und wieder plumpst mir die Nymphe runter. Ich finde sie aber sofort, hebe sie behutsam auf und unter dem Stein daneben zischt eine aufgeregte Koppe davon.

Am Ende hatte ich doch ein Lächeln im Gesicht!
Am Ende hatte ich doch ein Lächeln im Gesicht!

Ich hatte als mein Happy End - doch beim nächsten Stress-Abbau-Angelausflug werde ich garantiert weniger Erwartungen im Vorfeld hineinpacken. Das macht nur Druck und geht genau am Ziel vorbei. Vielleicht gelingt es mir dann schon etwas früher, die Zeit am Wasser zu genießen.

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